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 Handlungsempfehlungen

 

3.5.3 Kalkulation der Einnahmen

Stromverkauf

Der wichtigste Bestandteil auf der Einnahmeseite ist die durch das EEG garantierte und durch den Stromnetzbetreiber ausgezahlte Vergütung für den eingespeisten Strom. Da das EEG im Bereich der Biomasse, in dem auch die Vergütungshöhen für die Holzvergasung geregelt werden, hinsichtlich der Vergütungsbestandteile modular und mit zunehmender Leistung bzw. eingespeister Strommenge auch degressiv aufgebaut ist, lässt sich für in Holzvergasungsanlagen produzierten Strom im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien wie z. B. der Photovoltaik nicht ein allgemeingültiger Strompreis in €ct/kWhel festlegen. Vielmehr können in Abhängigkeit von der installierten Leistung und der Art der eingesetzten Biomasse bei kleinen Holzvergasungsanlagen die Vergütungen zwischen etwa 13 und 22 €ct/kWhel liegen. Wird ein bestimmter Umfang an Wärmenutzung nicht erreicht, erlischt der Anspruch auf EEG-Vergütung sogar vollständig (siehe unten). Tabelle 1 gibt einen Überblick über die möglichen Vergütungsbestandteile für Strom aus einer Holzvergasungsanlage bei Inbetriebnahme 2012.

 

Tabelle1: Vergütungssätze für Strom aus fester Biomasse bei Inbetriebnahme 2012 (jeweils in €ct/ kWhel; Voraussetzung u.a. Wärmenutzung!)

Leistungsklasse 150 kW 500 kW 750 kW 5 MW 20 MW
Grundvergütung
14,30
12,30
11,00
11,00
6,00
EVK I a)
6,00
6,00
5,00/2,50c)
5,00/2,50c)
--
EVK II a)
8,00
8,00
8,00
8,00
--

a) Einsatzstoffvergütungsklasse I; b) Einsatzstoffvergütungsklasse II; c) bei Verwertung von Rinde oder Waldrest-holz

Zum Teil schlagen sich unterschiedliche Vergütungssätze allerdings auch in unterschiedlichen verbrauchs- und betriebsgebundenen Kosten nieder. So steht die Grundvergütung jeder Anlage zu, die Strom aus Biomasse im Sinne der Biomasseverordnung erzeugt. Der Einsatz von Stoffen, die nicht nach der Biomasseverordnung anerkannte Biomasse darstellen, also z. B. Altholz, ist auch in Teilen nicht gestattet.
Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: eine Anlage mit 250 kWel und 7.000 Vollbenutzungsstunden, d. h. die (real oder rechnerisch) 7.000 Stunden im Jahr unter voller Leistung betrieben wird, produziert im Jahr 250 * 7.000 = 1.750.000 kWhel elektrischen Strom. Die Grundvergütung der höchsten Stufe erhält sie aber nur bis zum entsprechenden Schwellenwert von 150 kWel, bei dem allerdings die volle Jahreslaufzeit ausgenutzt wird, nämlich 8.760 h. Die Grundvergütung beträgt also für 150 * 8.760 = 1.314.000 kWhel aktuell 14,30 €ct/ kWhel, für die darüber hinaus gehenden 1.750.000 kWhel - 1.314.000 kWhel = 436.000 kWhel beträgt die Vergütung 12,30 €ct/ kWhel. Insgesamt beträgt die mittlere Vergütung damit 13,80 €ct/ kWhel. Beträgt die installierte Leistung der Anlage 180 kWel, so würde sie bei 7.000 Vollbenutzungsstunden für jede eingespeiste Kilowattstunde die höchste Grundvergütung (14,30 €ct/ kWhel) beanspruchen können, da die insgesamt produzierte Strommenge von 180 * 7.000 = 1.260.000 kWhel unter dem Schwellenwert von 1.314.000 kWhel bleibt.

Der Bonus für Einsatzstoffe der Vergütungsklasse I (kurz: EVK I-Bonus) steht nur einer Anlage zu, deren Einsatzstoffe gewissen Grundvoraussetzungen genügen, die in der Biomasseverordnung beschrieben werden. Es dürfen zur Feststoffverbrennung oder thermochemischen Vergasung nur „Pflanzen oder Pflanzenbestandteile..., die in landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Betrieben anfallen und die keiner weiteren als der zur Ernte, Konservierung oder Nutzung in der Biomasseanlage erfolgten Aufbereitung oder Veränderung unterzogen wurden (Nachwachsende Rohstoffe)“, eingesetzt werden. Die Biomasseverordnung enthält eine nicht abschließende Liste von Einsatzstoffen der Einsatzstoffvergütungsklasse I und ihrem Energieertrag. Der Energieertrag dient der Berechnung des Anteils eines Einsatzstoffs im Sinne der Einsatzstoffvergütungsklasse I oder II an der Stromerzeugung in der Anlage (siehe unten). Die Liste von Einsatzstoffen der Vergütungsklasse I umfasst unter anderem Rinde und Waldrestholz. Als Einsatzstoffe, die keinen Anspruch auf eine einsatzstoffbezogene Vergütung begründen, werden in der Biomasseverordnung explizit lediglich Sägenebenprodukte genannt.
Weitere in der Biomasseverordnung genannte Einsatzstoffe der Vergütungsklasse I sind Getreide (Ganzpflan-ze), Gras einschließlich Ackergras und Miscanthus. Außerdem kommt Holz aus Kurzumtriebsplantagen (KUP) als Einsatzstoff in Frage, definiert als Holz aus „Anpflanzungen mehrjähriger Gehölzkulturen mit einer Umtriebszeit von mindestens drei und höchstens 20 Jahren auf landwirtschaftlichen Flächen, die allein oder im Rahmen einer agroforstlichen Nutzung der Energieholzgewinnung dienen, und die nicht Wald im Sinne des Bundeswaldgesetzes sind, einschließlich Rinde.“ Allerdings findet sich herkömmliches Holz aus KUP bei den Einsatzstoffen der Vergütungsklasse II (siehe unten). Waldresthölzer im Sinne der Biomasseverordnung sind „das Kronenderbholz, das X-Holz, das zwar bearbeitet wird, jedoch keiner abnehmerorientierten Sortierung entspricht, sowie der oberirdische Bestandteil des Stockholzes, einschließlich Rinde. Nicht als Waldrestholz im Sinne eines vergütungsfähigen Rohstoffs gelten Stubben, Blätter und Nadeln.“
Die degressive Gestaltung des EVK I-Bonus, abhängig von den verwerteten Einsatzstoffen, ist für die hier betrachteten kleinen Holzvergasungsanlagen nicht relevant, da sie erst ab dem Schwellenwert von 500 kWel bzw. einer produzierten Strommenge von 4.380.000 kWhel einsetzt.
Ein weiterer für Holzvergasungsanlagen möglicher, wenn auch selten relevanter Bonus ist der EVK II-Bonus. Er kommt dann in Frage, wenn Holz aus KUP im oben beschriebenen Sinn eingesetzt wird, „sofern die KUP nicht auf Grünlandflächen (mit oder ohne Grünlandumbruch), in Naturschutzgebieten, in Natura 2000-Gebieten oder in Nationalparks angepflanzt wurden und sofern keine zusammenhängende Fläche von mehr als 10 ha in Anspruch genommen wurde, einschließlich Rinde“. Außerdem kommen als Einsatzstoff in Frage „Baum- und Strauchschnitt, der bei Maßnahmen anfällt, die nicht vorrangig und überwiegend den Zielen des Naturschut-zes und der Landschaftspflege im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes dienen, z. B. Straßenbegleitholz“ sowie bestimmte, ebenfalls in der Biomasseverordnung näher definierte Landschaftspflegematerialien.
Sollte die Anlage nicht ausschließlich Einsatzstoffe, die keinen Anspruch auf eine einsatzstoffbezogene Vergütung begründen (also z. B. Sägenebenprodukte), einsetzen, so muss der Betreiber regelmäßig zum 28. Februar eines Jahres für das zurückliegende Jahr durch ein sogenanntes Umweltgutachten den Anspruch auf den Einsatzstoffvergütungsbonus I oder II belegen. Darüber hinaus muss schon zur Inbetriebnahme bzw. spätestens bei der erstmaligen Inanspruchnahme der einsatzstoffbezogenen Vergütung ein Umweltgutachten vorgelegt werden, in dem der voraussichtliche Vergütungsanspruch abgeschätzt wird, auf dessen Basis die monatlichen Abschlagszahlungen, auf die der Einspeiser einen Anspruch hat, kalkuliert werden.

Der Vergütungsanspruch für eingespeisten Strom gemäß EEG besteht nur, „wenn und so-lange mindestens 25 Prozent bis zum Ende des ersten auf die erstmalige Erzeugung von Strom in der Anlage folgenden Kalenderjahres und danach 60 Prozent des in dem jeweiligen Kalenderjahr in der Anlage erzeugten Stroms in Kraft-Wärme-Kopplung nach Maßgabe der Anlage 2 zu diesem Gesetz erzeugt wird“.
Eine Wärmenutzung im Sinne der Anlage 2 des EEG liegt zum einen vor, wenn diese „nachweislich fossile Energieträger in einem mit dem Umfang der fossilen Wärmenutzung vergleichbaren Energieäquivalent ersetzt“ oder wenn sie auf einer dort vorhandenen Positivliste verzeichnet ist. In der Positivliste finden sich die Beheizung, Warmwasserbereitstellung oder Kühlung von Gebäuden sowie die Nutzung als Prozesswärme, jeweils unter verschiedenen Voraussetzungen. Zur Prozesswärme wird auch „die Trocknung von Holz zur stofflichen oder energetischen Nutzung bis zu einem Wärmeeinsatz von 0,9 Kilowattstunden je Kilogramm Holz“ gezählt.


Der Umrechnungsfaktor, mit Hilfe dessen von der eingespeisten Strommenge auf die messtechnisch zu erfassende Wärmeenergiemenge geschlossen wird, die für die Erfüllung der oben beschriebenen Mindestwärmenutzung erforderlich ist, ist die Stromkennzahl. Die Stromkennzahl ist der Quotient aus elektrischer und thermischer Leistung einer Verbrennungskraftmaschine und wird in der Regel bei einem serienmäßig hergestellten BHKW vom Hersteller auf einem Datenblatt ausgewiesen. Die Ermittlung der erforderlichen Mindestwärmenutzung soll im Folgenden anhand eines Beispiels dargestellt werden. Ein mit Holzgas betriebenes BHKW hat eine elektrische Leistung von 60 kW und eine Stromkennzahl von 0,6. Als thermische Leistung ergibt sich demzufolge der Wert 100 kW. Die Anlage produziert in 6.000 Vollbenutzungsstunden also 360.000 kWhel und 600.000 kWhth. Von der erzeugten thermischen Energie müssen im ersten auf die erstmalige Erzeugung von Strom in der Anlage folgenden Kalenderjahr 25 %, also 150.000 kWhth, und im zweiten auf die erstmalige Erzeugung von Strom in der Anlage folgenden Kalenderjahr 60 %, also 360.000 kWhth gemäß Anlage 2 genutzt werden. Bei einer Inbe-triebnahme in 2012 und 1.000 Vollbenutzungsstunden in diesem Jahr bedeutet das zum Beispiel, dass im Kalenderjahr 2012 25.000 kWhth, im Kalenderjahr 2013 150.000 kWhth und im Kalenderjahr 2014 360.000 kWhth gemäß Anlage 2 des EEG genutzt werden müssen.
Der Nachweis zur Erfüllung dieser Vergütungsvoraussetzungen erfolgt zur Inbetriebnahme und dann jährlich analog der einsatzstoffbezogenen Vergütung durch ein Umweltgutachten.


Wärmeverkauf

Holzvergasungsanlagen im kleinen Leistungsbereich werden meist mit dem Ziel errichtet, neben dem Strom auch große Anteile der Wärme aus dem Blockheizkraftwerk (BHKW) zu nutzen. Während bezüglich der eingespeisten Strommengen das EEG, wie oben beschrieben, den Vergütungsrahmen vorgibt und absichert, muss sich der Anlagenbetreiber hinsichtlich der erzeugten Wärmemengen selbst um eine möglichst lukrative Vermarktung kümmern. Die betriebswirtschaftliche Auswertung der Betreiberbefragung hat gezeigt, dass die Erzielung von nennenswerten Wärmeverkaufseinnahmen ein entscheidendes Kriterium für den Erfolg des Anlagenkonzepts ist und daher unbedingt bei der Planung berücksichtigt werden sollte. So sollte zum Beispiel ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Standorts der Anlage sein, ob dort zu technisch und ökonomisch akzeptablen Bedingun
gen ein oder mehrere Abnehmer mit Wärme beliefert werden können.
Hierbei sollte auf eine möglichst kontinuierliche Abnahme der Wärmeenergie und, falls ein Wärmenetz errichtet wird, auf eine möglichst hohe Wärmebedarfsdichte geachtet werden. Bei der vertraglichen Ausgestaltung der Wärmelieferung sollten die einzelnen Einnahmebestandteile auf Basis einschlägiger Vorgaben kalkuliert werden. Bei Vereinbarung einer Preisgleitklausel sollte diese unter Beachtung der aktuellen Rechtsprechung die tatsächliche Änderung der Wärmegestehungskosten wiederspiegeln. Je nach Umfang und Komplexität der getroffenen Vereinbarungen sollte auch das Hinzuziehen von juristischer Beratung in Erwägung gezogen werden. Dies ist insbesondere unter dem Aspekt von Bedeutung, dass für die Erzielung einer konstanten Rendite die Entwicklung der Einnahmen aus dem Wärmeverkauf die netto degressive Entwicklung der Einnahmen aus dem Stromverkauf (aufgrund einer konstanten EEG-Vergütung gegenüber der Kostensteigerung durch Inflation) ausgleichen muss.


Sonstige Einnahmen

Wenn unter sonstigen Einnahmen beispielsweise die Erlöse aus der Trocknung von Holz aufgeführt werden, ist dies kritisch zu hinterfragen. Wenn es sich dabei nicht um Einnahmen aus Wärmeverkauf an eine Holztrocknungsanlage handelt, sondern mit der Vergasungsanlage zusammen eine Holztrocknung betrieben wird, deren Produkte vermarktet werden, müssen die entsprechenden Investitionen, der Eigenstrombedarf dieser Anlage und alle anderen zusätzlich notwendigen Kostenfaktoren (z. B. Instandhaltung) auch auf der Ausgabenseite berücksichtigt werden.

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